Es sei nunmehr gut

 

„Deutschland, Deutschland über alles

Und im Unglück nun erst recht.

Nur im Unglück kann die Liebe

Zeigen ob sie stark und echt.

Und so soll es weiterklingen

Von Geschlechte zu Geschlecht:

Deutschland, Deutschland über alles

Und im Unglück nun erst recht.“

Die unbekannte 4. Strophe des Deutschlandliedes schrieb Albert Matthai 1921, kurz nachdem der Versailler Vertrag in Kraft trat.

Wenn man sich die Texte und Inhalte der Staatshymnen der Welt ansieht, so gibt es nicht wenige Hymnen, die vorübergehend ihrer Funktion nicht nach kommen durften quasi ausgesetzt waren und nicht wenige, die von einem politischen und kriegerischen Geschehen handeln, das mit der heutigen Situation der entsprechenden Länder nichts merhr zu tun hat. Warum werden sie dennoch als Repräsentationslieder herangezogen und bewahrt?

Weil sie Geschichte sind, historisch bedeutsam und unsere ist es auch.

Da sitzt ein Mann auf einer kleinen Insel, und betrachtet sich einen zusammengekleisterten deutschen Staatenteppich, der in Gefahr ist, abermals zum Spielball der Großmächte Europas zu werden, wie es schon so oft der Fall war.

Er schreibt einen Text,einen Therapieplan, eine schriftliche Impfung wie ein Psychotherapeut für einen unselbstbewussten aber wertvollen Patienten, dem bei nicht Änderung der Lebensweise der Exitus letalis droht.

Er versucht den Patienten aufzurichten, sich seiner selbst wieder bewusst werden zu lassen, ihn zu wappnen für den Kampf gegen den Feind der eigenen Unversehrtheit und schreibt die Worte:

Und jetzt geht es nur um Dich. Nicht um den oder den anderen, sondern nur um Dich.

Kümmer Dich um Dich! Nichts ist jetzt wichtiger auf der Welt.

„Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt.“

Jetzt, wo es darauf ankommt, wo Ihr alle einzelne Teppichflicken in Gefahr seid – spätestens jetzt müsst ihr geschlossen sein.

„Wenn es stets zu Schutz und Trutze, brüderlich zusammen hält.“

Vergessen wir mal die geographischen Stecken, die in der ersten Strophe das Land umfassten. Die Ausdehnung unseres Landes hat sich verändert – und da findet sich im Lande der Dichter und Denker kein schlauer Kopf, der einen Zweizeiler erdenkt, der sich dazwischen setzen ließe?

Die zweite Strophe ist gänzlich unverfänglich, oder ist es der Ode an die Frauen etwa zu viel?

Es war Deutschland, außer in der amerikanischen Besatzungszone, nicht verboten worden, seine Hymne ordnungsgemäß am Anfang beginnend zu singen. Ab 1949 war es sogar nirgendwo mehr in Deutschland verboten.

Das haben wir uns selbst auferlegt. Es ist einfach lächerlich.

Am 11.August 1922 von Reichspräsident Friedrich Ebert als Deutsche Nationalhymne proklamiert, einen Sozialdemokraten, wird sie auch von den Nationalsozialisten benutzt. Ist sie dadurch des Teufels?

Wir können uns nicht reinwaschen oder weniger schuldig fühlen, in dem wir unsere Identität und Relikte einfach innerlich abdunkeln. Zu unserer Geschichte zu stehen, die nicht nur aus zwölf Jahren besteht, und zu lernen, bedeutet auch, im pathologischem Dauerbuße-Zwang, nicht alles auslandsgefällig abzutun, was unser Land ausmacht. Ein totalitärer Staat reisst sich alles von Bedeutung unter den Nagel, missbraucht es und beutet es aus.

Ist alles was ein totalitärer Staat gebraucht, dadurch per se schlecht?

Das ist Paranoia in ihrer ursprünglichsten Bedeutung: Wider dem Verstand.

Deutschland ist ein Land der Sprachpsychopathen und Sprachneurotikern.

Mit Hoffmann von Fallersleben selbst vorgeschlagenem Alternativsatz zu

„Blüh´ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland“

nämlich „Stoßet an und ruft einstimmig: Hoch das deutsche Vaterland!“

liesse es sich für mich auch gut leben, dann könnte ich die Textkastration besser ertragen.

Armes Deutschland

Das sich selbst so bezeichnende Volk der „Dichter und Denker“ ist vor die Hunde gekommen.
Lange sind die Zeiten vorbei, da geistige Eliten das Rampenlicht der Öffentlichkeit gesucht hätten, um uns an ihrem Hintergrundwissen und ihren Beobachtungen teilhaben zu lassen. Ihrem Aufklärungspotenzial steht das tiefe Bedürfnis nach Absonderung gegenüber.
Die großen Köpfe, die uns einst in der Welt haben berühmt werden lassen, derer sind wir uns in der Masse weder bewusst, noch fühlen wir uns in irgendeiner Form diesen Menschen gegenüber verpflichtet, das große Erbe weiter zu tragen.
Unsere Vorbilder sind heute die medialen Eintagsfliegen, die sich in ihrer mangelnden Diversität nur schwer vom Häuflein TV lösen können. Vielmehr passen sie sich immer geschickter den Bedürfnissen des breiten Publikums an und verwandeln sich in bakterienartiger Geschwindigkeit.
Der Gesetzgeber nimmt sich da nicht aus. Duckmäuserisch knickt er bei jeder Gelegenheit ein, wenn es gilt, Werte, die die Gesellschaft im Inneren zusammen hält, zu schützen.
Die Rechtschreibreform ist ein bezeichnendes Beispiel. Hier wurde sehr stark, der zunehmenden Sprachimpotenz entgegen gekommen und eine Orthografie gebilligt, die man nur noch als gruselig bezeichnen kann.
Während Länder wie Frankreich extra Institute zum Erhalt der französischen Sprache erschaffen und mit Reglements versuchen, dem voranschreitenden Verloddern des Französichen Einhalt zu gebieten, gehen wir in einem Geiste der Ignoranz und Pseudomodernität daran, Wörter derart zu entwurzeln, dass ihre Herkunft kaum noch zu erahnen ist.
Wir haben in den unseligen 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts mehr verloren als nur einen Krieg und eine Unschuld.
Es scheint uns aufgrund dieser zwölf Jahre Entmenschlichung nicht mehr möglich zu sein, die Werte, die uns als westliche Zivilisation bis vor dem zweiten Weltkrieg zusammenhielten und uns nach dem Krieg wie Phoenix aus der Asche haben aufsteigen lassen, stolz zu benennen.
Tatsache ist, dass Deutschland auf dem Felde der Diplomatie sich in jeder Hinsicht rückständig und unterlegen zeigt, insbesondere gegenüber den Engländern und Franzosen.
Das haben wir unserem ständigem Üben des Produzierens von Worthülsen und Sprechblasen zu verdanken, das tag täglich in der Politik betrieben wird und auch in unseren Alltag Einzug gehalten hat.
Die Sprache war das Bindeglied, die uns alle vereinte, die heute ein gemeinsamer Wert sein könnte mit allen Hinzugezogenen und Einwanderern.
Verlangt man von diesen das Erlernen der deutschen Sprache, nennt man das vorschnell  „Zwangsgermanisierung“.
Ich nenne es Respektbekundung dem Land gegenüber, das mir in meiner Not beisteht, mir ein zuhause gibt und mir die Errungenschaften einer freiheitlich lebenden Gesellschaft zur Verfügung stellt.
Wir schämen uns offen für die deutschen Touristen, die lautstark krakeelend in südeuropäischen Ländern ihr „Deutschtum“ verbreiten?
Wir kritisieren Deutsche, die nach Spanien auswandern, kein Wort spanisch können, die Spanier eher von oben herab betrachten, sich absondern und nur wegen des milderen Klimas dort sind?
Wie einfach, wenn es gilt in die historische Kerbe reinzuschlagen. Das kommt an, dann sind wir moralisch ja so integer.
Das gleiche bei einem Einwanderer zu kritisieren, stellt uns durch eine gleichgeschaltete Politik und Gesellschaft sofort in eine Ecke.
Eine Ecke, aus der herauskommen zu dürfen, keiner in Europa behilflich ist.
Mit vorgehaltener Hand kritisieren wir Missstände in der Welt, insbesondere uns wirtschaftlich nahestehender Länder, mit gebeugten Körpern und demütig hängenden Häuptern.
Finanziell bringen wir uns überall ein, in der irrigen Annahme, uns damit ein gewisses Renommee erkaufen zu können, eine  Bedeutung. Bis heute sind wir keine gewichtige, fest etablierte Größe im UNO-Sicherheitsrat.
Dieses Verhüllen von wahren Hintergedanken, dieses Ausweichen und Nebelbomben werfen, ist auch das, was in zunehmenden Massen die Medien verunreinigt.
Sie werden zum Beschreiber von Geräuschen degradiert, die die Amts- und Würdenträger im Versuch, sich dem Wähler gewogen zu erhalten, von sich geben.
Regieren nach dem Motto, dem „Volk auf´s Maul schauen“ , kann nicht die Devise sein, da kommt mittlerweile nur noch der von oben veranlasste Stuss raus. Kein Wunder.
Wo ist die Vorbildfunktion, wo sind die Idole, die uns im geistigen Sport antreiben?
Wo sind die Philosophen, die Meister des „Unter sich Bleibens“?
Die Philosophen, die stolz auf ihre Fragen sind. Tausende Fragen, die man nicht hört und ein paar Antworten, die nebensächlich sind.
Es wird Zeit, dass man im Land wieder sagt, was man meint – und meint, was man sagt.
Das wird zunächst sehr schmerzhaft, aber es bringt Heilung.
Alexander Hajtmanek 12.10.2014

Journalismus

Journalismus muss wieder in erster Linie Aufsichtsfunktion erfüllen.

Für mich ist der Journalismus eine der Gewalten in der Demokratie.

Bewusst sage ich nicht, dass sie die vierte verkörpert, denn unglücklicherweise ist heute jedes Ausspähen eines so genanten Promis bereits Journalismus. Und jeder Berufsspanner, der Menschen schlichteren Geistes den Voyeurismus befriedigt, ein Journalist.

Und oftmals bewegen sich unlautere Journalisten jenseits der Sitten und der Legalität und fällen Urteile und damit Existenzen, ohne dass die Justiz danach noch irgendetwas retten könnte.

Als Arzt sehe ich die Missstände im Gesundheitswesen im Allgemeinen und in der Medizin im Besonderem tag täglich in der Praxis.

Wichtige Richtlinien, die maßgeblich das Vertrauensverhältnis zwischen Hilfesuchendem und Helfendem torpedieren, werden von Personen bestimmt oder mitbestimmt, die nicht weiter entfernt sein könnten, von den Sorgen und Nöten der „normalen Patienten“.

Auch der Probleme der Ärzte tragen die im stillen Kämmerlein getroffenen Entscheidungen nicht im mindesten Rechnung.

Verständigungshilfe zwischen den Parteien durch den Journalist? Fehlanzeige.

Vielmehr stachelt er Patienten an, sich Wartezeiten nicht bieten zu lassen, bei bekanntem Ärztemangel und rechtlicher Verpflichtung der Ärzte, trotz überfüllter Terminkalender Notfälle niemals abzuweisen.

Der Philosoph Peter Sloterdijk beschreibt Nachrichten als “ Erregungsvorschläge“ und vielmehr sind sie leider auch nicht mehr.

Als Mediziner sage ich, dass auf eine Erregung bei bestimmten Stimulus eine Steigerung des Reizes stattfinden muss oder ein neuerlicher Reiz mit anderer Sinnesqualität,  will man nicht eine Erschlaffung riskieren.

So kommt es beim Profit orientierten Profilneurotikern zu einem Aufbauschen der Thematik mit der Gefahr, eindimensional in der Darstellung zu werden, oder ein ständiges „switchen“ von einer Aufmerksamkeit erhaschenden Thematik zur anderen zu betreiben.

Dies ist nicht die Funktion, die Journalismus zum Ziel haben sollte, obgleich dieses Land dazu tendiert, der Trivia den Speichel zu lecken, und sich zu ihr herab zu lassen.

Sendungen wie „Monitor“ und „das philosophische Quartett“ müssen Infotainment weichen – es zählt nur noch Masse statt Klasse und Einschaltquote.

Frei nach Nietzsche möchte ich sagen: Es ist nicht die Aufgabe des Journalismus, sich auf die Ebene des Durchschnittsmenschen herab zu lassen, sondern ihn an sich hoch zu ziehen.