Journalismus muss wieder in erster Linie Aufsichtsfunktion erfüllen.
Für mich ist der Journalismus eine der Gewalten in der Demokratie.
Bewusst sage ich nicht, dass sie die vierte verkörpert, denn unglücklicherweise ist heute jedes Ausspähen eines so genanten Promis bereits Journalismus. Und jeder Berufsspanner, der Menschen schlichteren Geistes den Voyeurismus befriedigt, ein Journalist.
Und oftmals bewegen sich unlautere Journalisten jenseits der Sitten und der Legalität und fällen Urteile und damit Existenzen, ohne dass die Justiz danach noch irgendetwas retten könnte.
Als Arzt sehe ich die Missstände im Gesundheitswesen im Allgemeinen und in der Medizin im Besonderem tag täglich in der Praxis.
Wichtige Richtlinien, die maßgeblich das Vertrauensverhältnis zwischen Hilfesuchendem und Helfendem torpedieren, werden von Personen bestimmt oder mitbestimmt, die nicht weiter entfernt sein könnten, von den Sorgen und Nöten der „normalen Patienten“.
Auch der Probleme der Ärzte tragen die im stillen Kämmerlein getroffenen Entscheidungen nicht im mindesten Rechnung.
Verständigungshilfe zwischen den Parteien durch den Journalist? Fehlanzeige.
Vielmehr stachelt er Patienten an, sich Wartezeiten nicht bieten zu lassen, bei bekanntem Ärztemangel und rechtlicher Verpflichtung der Ärzte, trotz überfüllter Terminkalender Notfälle niemals abzuweisen.
Der Philosoph Peter Sloterdijk beschreibt Nachrichten als “ Erregungsvorschläge“ und vielmehr sind sie leider auch nicht mehr.
Als Mediziner sage ich, dass auf eine Erregung bei bestimmten Stimulus eine Steigerung des Reizes stattfinden muss oder ein neuerlicher Reiz mit anderer Sinnesqualität, will man nicht eine Erschlaffung riskieren.
So kommt es beim Profit orientierten Profilneurotikern zu einem Aufbauschen der Thematik mit der Gefahr, eindimensional in der Darstellung zu werden, oder ein ständiges „switchen“ von einer Aufmerksamkeit erhaschenden Thematik zur anderen zu betreiben.
Dies ist nicht die Funktion, die Journalismus zum Ziel haben sollte, obgleich dieses Land dazu tendiert, der Trivia den Speichel zu lecken, und sich zu ihr herab zu lassen.
Sendungen wie „Monitor“ und „das philosophische Quartett“ müssen Infotainment weichen – es zählt nur noch Masse statt Klasse und Einschaltquote.
Frei nach Nietzsche möchte ich sagen: Es ist nicht die Aufgabe des Journalismus, sich auf die Ebene des Durchschnittsmenschen herab zu lassen, sondern ihn an sich hoch zu ziehen.